Klingt verrückt, ist aber tatsächlich so: Ein Personaler entscheidet binnen 90 Sekunden im Vorstellungsgespräch, ob er einen Bewerber gut findet oder nicht. Da ist nicht sonderlich viel Zeit um von sich zu überzeugen und gerade deshalb sind Vorstellungsgespräche für viele eine große Herausforderung. Wenn du zum Vorstellungsgespräch eingeladen wirst, ist schon mal der erste Schritt in Richtung Traumjob geschafft – doch jetzt ist keines Falls Zurücklehnen angesagt. Sucht man bei Google nach „Tipps für das Vorstellungsgespräch“, öffnen sich zahlreiche Seiten mit Ratschlägen und co. Doch welche sind davon wirklich zu gebrauchen? Mit welchen Tipps punktest du in deinem Vorstellungsgespräch? Von der lückenlosen Vorbereitung, dem perfekten Outfit bis hin zu passenden Mimik und Gestik – wir verraten dir was du wissen musst um in Sachen Vorstellungsgespräch ein Profi zu werden.

Unsere Gastautorin Lea Barge, Junior-Marketing-Managerin von richtiggutbewerben.de, beschäftigt sich täglich mit dem Thema Bewerbung und Karriere und weiß genau, worauf es im Vorstellungsgespräch ankommt.

#1: Die Vorbereitung

Als ersten Schritt solltest du dich gründlich auf dein Vorstellungsgespräch vorbereiten. Klar, hier steht an erster Stelle sich zunächst einmal ausführlich über das Unternehmen und den Wunschjob zu informieren – deine Vorbereitung sollte jedoch darüber hinaus gehen. Überlege dir und recherchiere darüber, was für Fragen auf dich zukommen könnten und formuliere mögliche Antworten. Im Idealfall spielst du das Vorstellungsgespräch mit deinem Mitbewohner/deiner Mitbewohnerin einmal durch, denn so bereitest dich so optimal vor. Ein paar besonders häufig vorkommende und teils kniffelige Fragen für dein Vorstellungsgespräch haben wir hier schon mal für dich aufgelistet:

  • Warum sind Sie der perfekte Kandidat für den Job? Bei dieser Frage ist Kreativität gefragt! Vermeide stumpfe Floskeln wie „Weil ich ein Teamplayer bin“ und versuche deine besten Attribute mit deinem individuellen Wunschjob zu verknüpfen.
  • Was sind Ihre Stärken? Was sind Ihre Schwächen? Der Klassiker unter den Fragen. Am besten du legst dir je 2,3 Aspekte zurecht, welche sich auch gut mit dem Job verknüpfen lassen. Bei deinen Schwächen ist es wichtig, daraus auch etwas positives ziehen zu können.
  • Welchen Bezug haben Sie zu unserem Unternehmen? Hier ist dein Vorwissen über das Unternehmen gefragt, auch wenn du keinen direkten Bezug zum Unternehmen hast, versuche anhand deines Wissens das Unternehmen mit einem Aspekt des Lebens, einer Erfahrung, zu verknüpfen.
  • Wie schätzen Sie Ihre bisherige Leistung im Vorstellungsgespräch ein? Sei ehrlich! Betone gute Situationen des Vorstellungsgesprächs, gehe aber auch auf mögliche Fehler ein – dass du diese bemerkst und einsiehst, kann beim Personaler oft positiv ankommen.

Besonders wichtig bei jeglichen Fragen im Vorstellungsgespräch ist: egal wie fies die Frage ist, fühl‘ dich niemals persönlich angegriffen! Personaler wissen genau wie sie die Bewerber aus der Reserve locken und möglicherweise auch provozieren. Bleib‘ also gelassen und sei schlagfertig. Oftmals kommt es nicht auf die „Richtigkeit“ deiner Antwort an, sondern viel mehr auf die Kreativität, Belastbarkeit, deine allgemeine Reaktion auf die Frage. Ebenso wichtig, wie deine Reaktion auf die Antworten der Personaler, ist es, Eigeninitiative zu zeigen und selbst Fragen zu stellen. Du kannst dich zum Beispiel erkundigen welche Herausforderungen dein Wunschjob hat oder dich nach dem Team in dem du arbeiten wirst erkundigen.

#2: Das Outfit

Ein weiter wichtiger Punkt innerhalb der Vorbereitung auf dein Bewerbungsgespräch ist das passende Outfit zu finden. Dazu solltest du dir bereits im Voraus Gedanken machen – nicht erst eine Stunde bevor du dich auf den Weg machst. Welches das perfekte Outfit für dich ist, kommt ganz darauf an wo du dich bewirbst. Trotzdem ist es sehr wichtig ein Outfit zu wählen, in dem du dich wohlfühlst – alles andere wirkt oft verkleidet und verkrampft. Dein Outfit sollte also zu dir passen und trotzdem seriös wirken. Bewirbst du dich in einer eher konservativen Branche wie z.B. einer Bank, so solltest du eher auf Anzug oder Kostüm setzen. Ist dein Bewerbungsgespräch in einem Unternehmen einer moderneren Branche wie z.B. eine Werbeagentur so kann dein Outfit auch etwas gelassener sein (Stichwort: smart casual). Generell, ist auch immer sinnvoll auf der Website des Unternehmens oder beim Unternehmen selbst etwas zu recherchieren um herauszufinden wie der passende Dresscode ist. Auch was die Frisur bzw. bei Frauen außerdem das Make-up angeht solltest du dir vorher ein paar Gedanken machen. Hierbei gilt: es sollte gepflegt und natürlich aussehen – besonders was das Make-up betrifft, solltest du eher etwas zurückhaltend sein.

#3: Die Mimik und Gestik

Auch wenn wir – vor allem im Vorstellungsgespräch – nicht immer aussprechen was wir denken, so verrät unsere Mimik und Gestik doch einiges darüber. Besonders Personaler sind sehr gut darin die Körpersprache der Bewerber zu lesen. Gesten, die in Vorstellungsgesprächen sehr häufig auftreten und ein eher negatives Bild vermitteln sind z.B. der mangelnde Blickkontakt, ein fehlendes Lächeln, ständiges Herumzappeln/-fummeln (z.B. in den Haaren) oder verschränkte Arme. Sie vermitteln dem Personaler nicht nur Nervosität, sondern vielmehr fehlende Aufmerksamkeit oder Desinteresse. Um im Vorstellungsgespräch mit deiner Mimik und Gestik zu punkten, kommt es bereits auf die Begrüßung an: am besten ein kurzer, fester Händedruck mit Blickkontakt und lächelnd! Im weiteren Gespräch sollte deine Körpersprache stets Aufmerksamkeit und Interesse kommunizieren. Dazu sitzt du am besten immer deinem Gesprächspartner zugewandt, lächelst und reagierst stets freundlich auf seine Worte (oft reicht auch ein Nicken, lass den Personaler stets ausreden).

#4: Das Phänomen: Spiegelneuron

Spiegelneurone sind Nervenzellen, die aktiv werden, wenn wir bestimmte Bewegungen ausführen – oder aber, wenn wir bestimmte Bewegungen an einer anderen Person beobachten. Im Zusammenhang mit diesen Spiegelneuronen lässt sich der sogenannte Chamäleon-Effekt erklären. Wie der Name schon vermuten lässt, geht es hierbei um die Nachahmung gewisser Tätigkeiten.

So wie sich das Chamäleon nämlich optisch an seine Umgebung anpasst, passen sich Menschen oft via Nachahmung bestimmter Bewegungen an ihre Mitmenschen an. Diese Nachahmung/Anpassung vermittelt deinem Gegenüber, aufgrund der oben beschriebenen Nervenzellen, oft ein Gefühl von Sympathie. Was hinter diesem Effekt steckt ist das menschliche Verlangen nach Harmonie und Symmetrie. Auch wenn der Chamäleon-Effekt meist unbewusst auftritt, lässt er sich auch gezielt einsetzen – zum Beispiel im Vorstellungsgespräch. So kannst du dich im Laufe des Gesprächs was Körpersprache und co. angeht deinem Gegenüber anpassen und so Sympathiepunkte sammeln. Doch Vorsicht – deinen Gegenüber bitte nie gezielt nachäffen, denn das könnte dein Vorstellungsgespräch ganz schnell negativ enden lassen.

Fazit

Herzlichen Glückwunsch – wenn du dich aufmerksam durch diesen Artikel gekämpft hast und du unsere Tipps in deiner Vorbereitung auf dein Vorstellungsgespräch berücksichtigst, steht deinem Erfolg so gut wie nichts mehr im Wege! Eine gute Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch ist die halbe Miete und kann dir im Voraus etwas von deiner Nervosität nehmen. Ganz wichtig ist: bleib‘ du selbst und gib dein Bestes!